Akupunktur nach TCM
Leitgedanke
Es spielt keine Rolle, ob eine Medizin alt oder neu ist,
solange sie Heilung bewirkt.
Es spielt keine Rolle, ob Theorien östlich oder westlich sind,
solange sie sich als wahr erweisen.
Jen Hsou Lin, D.V.M
Grundlagen
Über die Geschichte, die Grundlagen und die praktische Durchführung der Akupunktur wird auf anderen Seiten sehr ausführlich berichtet, darum werde ich dieses auf unseren Seiten nur kurz zum besseren Verständnis anreißen. Unter dem Stichwort Akupunktur können Sie im Netz sehr ausführliche Informationen erhalten.
Hier soll es in der Hauptsache um die Philosophie in unserer Praxis gehen.
Bei dieser Behandlungsmethode, die aus dem alten China kommt und neben der Kräutertherapie und meditativen Techniken wie Qi gong Teil der TCM (Traditionell Chinesischen Medizin) ist, wird durch Stimulation der Akupunkturpunkte mit Nadeln das blockierte Qi, was man im weiteren Sinne mit Lebensenergie übersetzen kann, wieder zum Fließen gebracht.
Um diese Zusammenhänge wirklich etwas nachvollziehen zu können, sollte man versuchen sich wenigstens kurzzeitig (gerne auch lägerfristig) von seinem westlichen Verständnis von Medizin und Heilung zu trennen.
YIN und YANG
Das Denken in der TCM dreht sich größtenteils um YIN und YANG, dies stellt sich am besten in der sog, Monade dar:
YIN steht z.B. für: weiblich, Nacht, Dunkelheit, Winter, Wasser, Erde, Mond, Kälte, Starre, Leere, Feuchtigkeit, Schwäche, Lähmung, alles Körperliche, Speicherorgane, Tod
YANG steht z.B. für: männlich, Tag, Helligkeit, Sommer, Feuer, Sonne, Himmel, Wärme, Bewegung, Fälle, Trockenheit, Lebenskraft, übermäßige Muskelspannung, das Seelische, Hohlorgane, Leben
Dabei ist das eine nicht das Positive und das andere das Negative, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, nur ein optimales ausgeglichenes Zusammenspiel dieser Kräfte führt zur Gesundheit.
Dieses gilt sowohl für den Körper und Geist eines jeden Individuums, wie auch für die Natur selbst.
Das Symbol sagt weiterhin aus, dass kein Zustand absolut ist, selbst im ausgeprägtesten Yang befindet sich der Keim von Yin und umgekehrt, dieses wird durch den weißen/schwarzen Punkt symbolisiert.
Meridiane
Nur wenn diese beiden Kräfte im Einklang sind, fließt Qi in den Meridianen ohne Blockaden.
Meridiane sind Energiebahnen in denen das Qi, die Lebensenergie, fließt. Diese Bahnen sind über die Akupunkturpunkte miteinander und mit der Außenwelt verbunden und über diese auch zur Therapie zu erreichen.
Diese energiedichteren Hautbereiche sind heutzutage auch schon messbar. Meridiane sind eingeteilt in Funktionskreise aus jeweils einem Paar, das einen Energieumlauf bildet.
Die westlichen Akupunkteure haben diesen Energieumläufen Organnamen zugeordnet, die anzeigen, dass das jeweilige Organ in diesen Umlauf integriert ist. Wenn es dann z.B. heißt, es besteht eine Blockade im Funktionskreis Leber/Gallenblase, ist durchaus nicht nur das Organ gemeint, sondern ein ganzer Energieumlauf.
Störungen in diesem System entstehen durch:
- äußere Faktoren (z.B. Wind, Kälte, Trockenheit, Hitze etc.)
- innere Faktoren (Ärger, Stress, Trauer etc.)
- Traumata z.B. Unfall
- genetische Defekte bzw. Veranlagungen (auch der Gesundheitszustand der Eltern ist entscheidend)
Diagnostik
Es wird also deutlich, dass es sich um eine Präventivmedizin handelt. Die Störungen im System von Yin, Yang und Qi sind für den Akupunkteur zu diagnostizieren, bevor es zu körperlichen Symptomen kommt.
Im alten China wurden die Ärzte bezahlt für jeden Menschen, der gesund blieb, nicht für das Kurieren von Erkrankungen, die hätten vermieden werden können, wenn der Heiler umsichtig gewesen wäre.
Die Diagnostik erfolgt über die Adspektion des Patienten, denen der geübte Akupunkteur oft schon anzusehen vermag, in welchem Funktionskreis welche Störung vorliegt, über das gezielte Abtasten der diagnostischen Schmerzpunkte und über die Pulsdiagnostik, die aber im Humanbereich häufiger zur Anwendung kommt.
Das beste und erfolgreichste Anwendungsgebiet für die Akupunktur ist also eine möglichst frühzeitig behandelte Funktionsstörung, oder noch besser, eine regelmäßige ca. ein – bis halbjährliche Kontrolle des Gesundheitszustandes im Sinne von Energieblockaden, um Krankheiten vorzubeugen, bevor sie entstehen. Hier ist es so, dass gerade in Fällen einer sog. Veranlagung mit der viele Menschen und auch Tiere leben und die sie in frühester Kindheit erworben oder auch schon von Geburt an mitgebracht haben (beim Pferd z.B. eine Kolikneigung) günstig beeinflusst werden kann. Sie ist aber auch unschlagbar bei allen chronischen Erkrankungen und natürlich auch in vielen akuten Fällen. Voraussetzung ist allerdings immer eine gute klinische Diagnostik, es sollte sicher kein akut oder längerfristig bestehender Organdefekt übersehen werden, der zunächst in die Hände der Schulmedizin gehört (z.B. Tumoren, Darmverschlingung bei Kolik, Knochenchip im Gelenk). Aber auch in der OP- Nachsorge darf die Akupunktur nicht unterschätzt werden.
Behandlung
Zunächst möchte ich noch einmal betonen, obwohl in unserer Praxis grundsätzlich auch schulmedizinisch therapiert wird, bin ich bei den Akupunkturpatienten stets bemüht, dass die schulmedizinische Diagnostik vor dem Behandlungsbeginn weitgehend abgeschlossen ist. Die Ausnahme bilden hier natürlich die Patienten, die ohne Krankheitssymptome bzw. mit leichten Befindlichkeitsstörungen zur prophylaktischen Behandlung kommen.
Nach eingehender Anamnese (d.h. präziser Befundaufnahme bei der auch lange zurückliegende oder scheinbar unwichtige Aspekte von Bedeutung sind), genauer Adspektion und Abtasten der diagnostischen Schmerzpunkte, werden die Nadeln gesetzt. Es ist mir außerordentlich wichtig, dass es wenige Nadeln sind, manchmal sogar nur eine. Dies erklärt sich daher, dass eine gute chinesische Diagnostik ziemlich deutlich zu dem Ausgangspunkt der derzeit vorliegenden Störung führen soll und das ist meist nur eine Blockade in einem evt. in zwei Meridianen. Auch nur diese gilt es zu behandeln. Viele Nadeln an vielen verschiedenen Punkten können sich durchaus auch einmal stören.
Die Nadeln verbleiben ca. 20 Minuten und werden dann gezogen. Entgegen der üblichen Abwehrreaktion gegen Injektionsnadeln beobachtet man eine gute Toleranz der Akupunkturnadel, dies ist besonders beim Pferd bemerkenswert. Es ist für den Anfang sinnvoll die Behandlungsintervalle zwischen 10 und 14 Tagen zu wählen. Später behandelt man dann immer nach Bedarf, d.h. wenn Sie den Eindruck haben Ihrem Tier geht es wieder schlechter. Besser ist noch die halb- bzw. jährliche Kontrolle, da so schon kleinste Störungen im Qi fluß erkannt und behoben werden können, bevor sich klinische Symptome einstellen.
Reaktionen
Im Anschluß an die Behandlung sollte das Tier mindestens eine Stunde nicht beansprucht werden, d.h. ruhen. Danach und am nächsten Tag sollte die Bewegung so gestaltet werden, wie das Tier sich anbietet, d.h. also auch es können nach einer Behandlung unterschiedliche Reaktionen folgen:
1. Der Zustand weswegen Sie mich konsultiert haben verbessert sich kontinuierlich.
2. Der Zustand verbessert sich zunächst und wird dann wieder schlechter.
3. Der Zustand verschlechtert sich zunächst und fängt nach ein bis zwei Tagen erst an
(in Ausnahmefällen auch erst nach der nächsten Behandlung) sich zu verbessern.
4. Der Zustand verändert sich gar nicht
Um diese unterschiedlichen Reaktionen zu verstehen, ist es hilfreich sich vorzustellen, dass bei der Behandlung die Energieblockaden, die sich im Laufe des Lebens angesammelt haben, wie die Schale einer Zwiebel abgepellt werden. Handelt es sich um recht junge Tiere merkt man auch meistens eine deutliche Verbesserung mit Heilung schon nach wenigen Behandlungen.
Es kann aber auch nach einer Behandlung zu einer Verschlechterung des Gesamtzustandes kommen (ca. 20% der Fälle), da evt. eine alte unterdrückte Erkrankung wieder durchgespielt wird, das klassische Beispiel hierfür ist der Hautpatient, der plötzlich anfängt zu husten.
Wahrscheinlich hatte das Tier früher einmal einen Husten, der dann schulmedizinisch behandelt wurde, die Spätfolge ist z.B. eine Hauterkrankung. Aber auch die aktuellen Beschwerden können sich kurzzeitig verschlimmern. In der Regel ist dieses harmlos und verschwindet von selbst wieder. Sie können in solch einer Phase oft beobachten, dass ihr Tier trotz Verschlechterung der Symptome fröhlicher geworden ist. Wenn kein wirklich kritischer Zustand eintritt, sollten sie versuchen diese Phase gelassen zu beobachten. Stellt sich nach der ersten Behandlung gar keine Veränderung ein (dies ist der ungünstigste Fall), oder verschlechtern sich die Symptome nach anfänglicher Besserung schnell wieder, kann der Zeitraum bis zur nächsten Behandlung auch verkürzt werden.
Auch in diesen Fällen stellt sich aber in aller Regel nach 1-2 weiteren Behandlungen eine Besserung ein.
Artikel Hamburger Abendblatt

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