Wochenblatt Ausgabe 7.12.11

9. Dezember 2011

Behandlung beim Pferdedentisten
Delingsdorfer Jan Fiedler kümmert sich um Pferdegebisse

DELINGSDORF. „Einmal ausspülen bitte“, diese Aufforderung kennt man von seinem Zahnarzt. Auch bei einem Pferd ist das gründliche Spülen vorher und nachher wichtig. „Eine gründliche Gebissuntersuchung beansprucht einige Zeit und ist nicht mit einem flüchtigen Blick ins Pferdemaul abgetan“, betont Jan Fiedler. Der 46-Jährige schaut den Pferden ganz genau ins Maul. Seit 1998 praktiziert der Delingsdorfer in seiner
Dentalpraxis und Pferdezahnstation. „Jeder Pferdebesitzer sollte wissen, wie wichtig und unerlässlich die regelmäßige Zahnkontrolle und -korrektur sowohl für das Wohlbefinden als auch für die Rittigkeit seines
Pferdes sind“, sagt Jan Fiedler. Speziell in Deutschland wärebisher diesem Fachgebiet zu wenig Beachtung geschenkt worden, sodass es einen hohen Nachholbedarf geben würde. Die Internationale Gesellschaft
zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne (IGFP) beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dieser Problematik. Das Gebiss eines Pferdes besteht aus vierundzwanzig Backen- und zwölf Schneidezähnen, bei einem Hengst kommen noch die vier sogenannten Hengstzähne hinzu. Innerhalb von 2 Jahren, im Alter zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren, wechselt das Pferd insgesamt 24 Milchzähne, eine sensible Zeit, in der in der Regel auch begonnen wird, mit dem Pferd intensiver zu arbeiten. Spätestens jetzt sollte eine regelmäßige, jährliche Kontrolle stattfinden, um spätere Fehlstellungen der Zähne zu vermeiden. „Das Gebiss eines Pferdes zeichnet sich durch kurze Wurzeln und lange Kronen aus. Ein Backenzahn kann schon mal eine Gesamtlänge von fünfzehn Zentimetern erreichen“, sagt der Pferdedentist. Lediglich ein halber Zentimeter der Krone schaue aus dem Zahnfleisch heraus. Für ein langjähriges Wohlbefinden des Pferdes ist es wichtig, die durch Abnutzung unterschiedlichen Längen der Kronen regelmäßig anzugleichen. Die Zähne
müssen gerade sein, damit die Kauflächen aufeinander passen. „Ich bevorzuge den Pferden vor der Behandlung eine leichte Betäubung zu geben“, sagt der Tierarzt. Die Stehfähigkeit des Pferdes bliebe erhalten, nur die Bewegungsfähigkeit sei leicht gemindert. Um in Ruhe am Gebiss des Pferdes arbeiten zu
können, wird der Kopf des Pferdes mit einer besonderen Halfterkonstruktion stabilisiert und das Maul mithilfe eines Metallgatters offengehalten. Mit speziell für die Zahnbehandlung entwickelten Instrumenten, unter anderem diamantbeschichteten Spezialraspeln, die über eine motorgetriebene biegsame Welle angetrieben werden, macht sich Jan Fiedler an die Arbeit. Eine regelmäßige Kontrolle der Zähne ist für Jan Fiedler eine dringende Notwendigkeit, denn auch beim Pferd gelte: Vorbeugen ist besser als Ziehen. (hb)